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Was die Erde will – oder: Das Rufen des Zarathustra

Zur Einstimmung auf Text und Thema: Wenn der wahrscheinlich bekannteste Philosoph der Neuzeit komponierend das Leben feiert, klingt das so:

Friedrich Nietzsche „Hymnus an das Leben“ (Für Chor und Orchester).

Man höre vielleicht nach dem Lesen (folgenden Textes) oder nach dem Spaziergang in einen schönen Abend hinein

die 6 .Sinfonie von Ludwig van Beethovens,

diesem auf seine Weise auch philosophischen Großmeister der Musik, zur Unterstreichung und Abrundung des Titelthemas. – So folgte man der schönen Gewohnheit, Philosophie und Musik (die Künste) in ihrer sich ergänzenden Geschwisterlichkeit stillen, meditativ-gedankenversunkenen Spaziergängen mit guten Freunden – oder den rechtschaffen einsamen ‚Alleingängen‘ in der nahen Umgebung – an die Seite zu stellen zu gegenseitiger Beförderung und ganzheitlich rundender Lebensführung. –

In diesen ’seltsamen Tagen‘ einer Weltgesellschaftskrise, die ja eine schon lange andauernde ist, kommt man ganz sicher nicht ohne grundsätzliche Betrachtungen aus, wenn man Weltgeschehen und den eigenen Platz darin in irgendeiner fruchtbaren Weise ausloten, ‚verstehen‘, deuten will. Die Vielzahl an hervorragenden konkreten Analysen der ‚Corona-Krise‘ (siehe Rubikon, Schwindelambulanz, KenFM, multipolar u.a.) und die aufschlussreichen Hintergrundrecherchen sowie die zunehmende Zahl an einordnenden Wortmeldungen spricht  – gegen alle Schauerlichkeiten von Sprache auch missbrauchenden Parteinahmen für die den Status Quo erhaltende Kräfte – für den lebendigen Geist, der im deutschen Sprach- und Kulturraum, national unterschiedlich agierend, doch am Werke ist, – zum Teil in bewunderungswürdiger Beharrlichkeit, in fairer Auseinandersetzung, in positiver Gestimmtheit bezogen auf die Lösbarkeit grundlegender Probleme, menschlich, warmherzig, klug und weise, auch mal herrlich eindringlich theatralisch – wir erinnern uns des eindrücklichen ‚Joker-Auftritts‘ von Ken Jebsen. Ausnahmen bestätigen die Regel und sind – ebenfalls menschlich – unvermeidlich. Wir befinden uns auch in einem gesteigerten Lernprozess der Auseinandersetzungskultur, dem sich verweigert werden kann, wie wir erleben (müssen). – Ganz sicher wird auch so ein toller Beitrag, wie der von Psychologiestudent Sebastian, nicht direkt zu einem rollback der jetzt greifenden Doktrinen führen – das muss man realistisch sehen. Es geht in diesem Konflikt ja nicht einfach nur um Argumente. –

Ich nehme heute ganz bewusst Kontakt auf mit einem geistigen Feld, das eher weniger im Fokus jetziger Klarwerdungen zu Rate, zur Hilfe gerufen wird. Ich will das hier tun, um uns auch der Kraft philosophischer und spiritueller Traditionen zu versichern, die uns im Ringen um ein lebendiges Bewusstsein und die Lösung der Menschheitsprobleme den Rücken stärken können.

So manchem Autoren, mancher Rednerin auf den Demonstrationen, aber auch den ’stillen Geistern‘ im Land, die sich um Klarheit, einen authentischen individuellen Weg und um ihre Mitwelt ohne viele Worte kümmern, möchte man gerade in diesen Tagen zurufen:

(Yasna XIII, 12)

Denn das sind die Helden der Welt,

welche der Wahrheit dienen

und dem Geiste in sich,

und die sich recken zu dir,

hoch auf zu deinem Himmel.

Sie rasen nicht,

und sie ducken sich nicht.

Sie sind sie selbst,

weil sie Gottes sind!

Zarathustra Spitama, der altiranische Priester und Philosoph, zeitlich wahrscheinlich mindestens 3 Jahrtausende von uns Heutigen ‚entfernt‘, spricht in den Gathas des Awesta, dem vermutlich ältesten Teil der auf ihn zurückgehenden Schriften, u.a. folgende Gedanken aus, denen man ähnliche Stellen in diesem Text an die Seite stellen könnte. Ich gebe hier Zitate in der Übertragung von Paul Eberhardt, Diederichs 1920, wider, die den Titel „Das Rufen des Zarathustra“ trägt:

(Yasna V,12)

Sprachen nicht alle Propheten

aus solch bedrängtem Herzen wie ich,

loderte nicht in ihnen derselbe Zorn

gegen die Rotte,

welche die allen offene Erde

mit Satzungen und Rechtssprüchen verwehrt,

wie durch einen Zauber, den anderen ?

In solche geklügelten Gesetze

hüllt sich Gruhma ein,

der Lügenkönig der Tage.

(Gruhma – offenbar ein konkreter Machthaber zu Lebzeiten Zarathustra Spitamas)

 

(Yasna V,14, letzte beiden Zeilen)

Macht uns die Erde wieder frei,

ein Opfer ist sie jetzt für Rasende.

Die Gathas des Awesta (gathas: ‚avestisch‘ für ‚Lieder, Gesänge, auch Gesangspredigten‘) sind leider sicher nicht Lesestoff für den ‚durchschnittlichen Mitteleuropäer‘ – sie atmen einen umfassenden, kosmisch-religiösen Geist, der durchaus intertraditionelle Züge trägt und auch von einer ’säkularen Spiritualität‘, einem philosophischen Weltgeist-Verständnis aufgenommen und bejaht werden kann, vielleicht auch ‚übersetzt‘ in je eigene, zeitbedingte Terminologie und sprachliche Vorlieben. Zarathustra ruft den Weltgeist an, die höchste schöpferische Intelligenz und bezieht sich auf das, was die Erde will; er lässt sie (als Ausdruck der Weltseele) zu Wort kommen, er spricht mit ihr, spricht für sie, verweist auf sich selbst als einen Bewahrer und Vertreter dieses göttlich-irdischen Wollens, und er äußert stellvertretend für viele – auch nach ihm folgende Generationen – die Sehnsucht nach einer dem ‚Heiligtum Leben‘ verbundenen Daseinsweise nicht nur äußerlicher Natur, sondern wie selbstverständlich auch einer des Seelischen, des wirklich weltverbundenen (kosmischen) Ichs, dass das Göttliche noch erkennen will und anbetet in unmittelbarer, unverstellter Art, ohne sich vor sich Stellvertretung anmaßenden Priestern starrer Religion oder aufgabenvergessenen Landesfürsten zu beugen. Er äußert sich zu grundlegenden Dingen des Weltenbaus, der antagonistischen Gegenüberstellung schöpferischen und vernichtenden – mephistophelitischen – Geistes – Ahura Mazda und Ahriman bzw. gutem Geist (Spenta Mainyu) und bösem Geist (Angra Mainyu) – und der Notwendigkeit der Entscheidung des Menschen für das Gute im Kampf gegen das Böse, wenn denn echte Erkenntnis und Errettung aus der Not der Weltmisere möglich und gewünscht sein soll. Ein nur scheinbar obsolet gewordener Gedanke, der scheinsicher und ‚aufgeklärt‘ vom ‚modernen Zeitgeist‘ ständig übergangen wird, gleichwohl er, der ‚Zeitgeist, selbst Ausdruck und meist ahnungsloser Mitspieler dieses Grundwiderspruchs des Welt-Seins und In-der-Welt-seins ist, wie alles in der Erscheinungswelt Existierende Ausdruck und Mitspieler im geistigen Ringen um schöpferische Entfaltung und Erfüllung ist. Man lese gern im Interview mit Jochen Kirchhoff, das ich im vergangenen Jahr mit ihm geführt habe oder vertiefe das Thema im entsprechenden Videogespräch. –

Jeder Mensch – Jochen Kirchhoff macht dies im Videogespräch „Was die Erde will“ deutlich – kann sich nur auf neutralem Boden wähnen, – in Wirklichkeit jedoch bezieht er ständig Stellung  durch sein Denken, Fühlen und Handeln, im Ringen um die Schöpfung, um wahren Frieden und sinnvolle Entwicklung. –

Eine allzu direkte ‚Nutzbarmachung‘ solch eines Anrufungs-Textes, wie es die Gathas des Awesta sind, gar argumentativ, in einem Widerspruch gegen das hart und zugleich säuselsanft-glattdesignt agierende Illusionsregime der weltumspannenden ‚wissenschaftlich-technischen (und miltärischen) Fortschritts(einheits)front‘, des ‚megatechnischen Pharaos‘, wie das Jochen Kirchhoff nennt, dem wir uns in der Corona-Krise ja nur in zugespitzter Form ausgesetzt sehen, ist kaum angezeigt oder sinnvoll.

Dennoch fiel mir dieser wunderbare Text der Gathas, auch wegen seines Klanges, seines feurig-liebevoll-kämpferischen Tones ein, als ich das Videogespräch „Was die Erde will“ ansah und auf mich wirken ließ, in dem es ja auch um Argumente gegen einen wieder einmal ‚rasenden Zeitgeist‘ geht – und um eine ganz und gar vertiefte Betrachtung des gesamten Bezugssystems der Moderne, um eine griffige und klare Analyse der psychokosmologischen Verfasstheit, um eine Formulierung  Jochen Kirchhoffs bewusst aufzugreifen, unserer Tage, die zumindest bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen, auch bei vielen Corona-Kritkern, auch in uns sich vermeintlich oder/und real bewusster Entwickelnden selbst, mindestens in mehr oder minder großen Resten, anzutreffen ist. Wir befinden uns in einer Bewusstseinskrise, die in ihrer Zuspitzung einmalig in der Menschheitsgeschichte ist. –

Zarathustra zelebriert in den Gathas eine geistig-seelische Verbundenheit mit der Erde, mit dem Göttlichen, mit der Natur, die von dem – gelebten – Geist zeugt, den wir zur Überwindung der im Videogespräch und im Buch „Was die Erde will“ – einem Band aus der nachwievor unerreichten (im doppelten Sinne auch von einer möglichen Leserschaft bisher offenkundig noch nicht genügend ‚erreichten‘) Tetralogie (Was die Erde will, Die Anderwelt, Die Erlösung der Natur, Räume, Dimensionen, Weltmodelle), im Drachen-Verlag geführt, vorzüglich ins Licht der Aufmerksamkeit gerückten Bewusstseinskrise der Menschheit brauchen. Man mag sich als Atheist am religiösen Gestus stören, den Zarathustra einsetzt und zelebriert; mir geht es bei der Bezugnahme auf den Text nicht um eine Hofierung zoroastrischer Religion oder des Religiösen überhaupt, obwohl ich bekenne, dass ich selbst ohne diese Facette von bewusster Hinwendung zum göttlichen Wesen der Welt nicht leben wollte – sondern um den Hinweis auf den schon vor vielen Jahrhunderten und bis heute nicht überwundenen, von Menschen sehr wohl wahrgenommenen Zwiespalt im geistig-seelischen – und materiellen – Verhältnis zu Erde und Natur und Kosmos; man könnte von einer sich bewusstseinsmäßig abspaltenden Seinsherkunftvergessenheit bei gleichzeitiger Potentialnivellierung, Entwicklungs(ziel)verweigerung und ahnungslos zurückstürzender Kulturlosigkeit, -verlustiggehung des Menschen sprechen; ein bißchen sperrig, zugegeben, vielleicht dennoch korrekt beschreibend, – durch Geister wie Novalis, Hölderlin und auch Goethe, auf die wir uns naturphilosophisch immer wieder beziehen können, früh gesehen und kritisiert. –

Am intensivsten – und wahrscheinlich folgenreichsten – durch Helmut Friedrich Krause.

Zarathustra rückt die Betrachtung der Welt und des Lebens in und mit ihr zurecht: ein sinnvolles, gewidmetes Leben will er führen, will verteidigen, was da lebt, blüht, wachsen will, will das Leben erkennen in Ursprung und Entfaltung und – das ist noch eine besondere Nuance – auch als Bewahrer der Welt, in gewisser Weise als mitschöpferisch Tätiger, im dienenden Modus auftreten, den Widerspruch zu Verweigerern des ‚Erdenrechts‘ auf Entfaltung und den Gewaltsamen, die ihre Machtinteressen vergotten, nicht scheuend. Er weiß, dass eines Tages, – wann nur ? -, eine Befreiung der Erde geschehen kann, die das ‚falsche Regime der Lügenkönige‘ hinwegfegt. Der Wahrheit, auf allen Ebenen, verpflichtet zu sein, bedeutet sie immer wieder gegen den Ansturm der bequemen Verleugnungen ‚ins Feld zu führen‘, auch und gerade in sich selbst. Zarathustra kommt in den Gathas immer wieder auf die Schwierigkeit dieses ‚inneren Kampfes‘ um die Wahrheit, um Erkenntnis zu sprechen, die jeder von uns kennt, wenn er sich bewusst entwickeln will.

Nun ist dieser Tag, von dem wie wir auch der Rufende träumte, bis zum heutigen ganz offenbar noch nicht gekommen, und in manchem von uns ist dennoch diese ‚(un)gewisse Gewissheit‘ eines Zarathustra präsent, vielleicht manchmal zu ’naiv‘ im Sinne eines realistischen Blickes auf Kraftaufwand für die Veränderung und die nötigen, unumgänglichen Konsequenzen. Aber er wird kommen, ‚dieser Tag‘. Das spüren wir. Das wollen wir. Das will die Erde: eine ‚irdisch-kosmische Wende‘, die man so ‚anrufen‘ könnte:

(Yasna XI, 3)

Wann wird es aufgehen,

das Morgenrot jenes Tages,

wo die Menschheit sich wendet

zum Lichte der Wahrheit,

wenn das Rufen der Helfer

endlich gehört

und danach getan wird ?

Doch das sei,

wann du willst.

Ich will mich mühen,

als sei es schon Zeit.

Wenn ich Jochen Kirchhoff bei seinen inspirierenden, lebenserfahrenen, philosophisch wohl begründeten wie allgemeinverständlichen Gedanken bei Wort und Geist nehme, dann erlebe ich, dass in ihm, den ich für einen, wenn nicht den führenden philosophischen Geist unserer Tage halte, diese ‚(un)gewisse Gewissheit‘ kommenden unumkehrbaren Wandels lebendig ist.

Der von ihm geäußerte Schlusssatz im Videogespräch, dass ich jedem empfehlen kann, der sich mit der wirklichen Lage unserer Welt in der Tiefe auseinandersetzen will, sei auch an das Ende dieses Textes gestellt. Ich gehe davon aus, dass Zarathustra – wie mancher andere große schöpferische Geist – den folgenden Gedanken vollständig beipflichtet(e).

Jochen Kirchhoff: „… Bewusstseinsarbeit in dem Glauben, dass es, wenn man Dinge lebendig einspeist in das Bewusstseinsfeld, das damit auch tatsächlich reale Wirkungen erzielt werden, die hilfreich sind, die heilsam sind und die auch der Erde dienen. Und das ist für die Erde auch gut, denn wir wollen die Erde erhalten, wir wollen sie nicht zerstören – weil wir sie lieben und weil wir sie brauchen, und weil sie auch uns braucht. Und aus dieser Verantwortung wollen wir uns nicht rausstehlen. Der Mensch hat eine kosmische Verantwortung und auch eine Verantwortung der Erde gegenüber. Aber er ist auch mitgedacht mit allem. … Alles ist auch Gedanke, Pflanzen sind in gewisser Weise auch Gedanken. Die Dinge sind auch gedanklich, auch – aber nicht abstrakte Gedanken, sondern lebendig, geistig.“ (Dieses Zitat ist sinnbewahrend und nur geringfügigst abweichend vom gesprochenen Wort dem Videogespräch entnommen.)

Uli Fischer, 1.7.2020 / 5780

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Das Video „Was die Erde will“ ist veröffentlicht auf dem youtube-Kanal von Jochen Kirchhoff für naturphilosophische Bildung, wissenschaftskritische Positionen und kosmologische Alternativen:

https://www.youtube.com/watch?v=s-40Oa6yTxQ

Das Buch „Was die Erde will“ von J. Kirchhoff erschien zuächst 1998 im Lübbe-Verlag. Jetzt ist es in einer Ausgabe des Drachen-Verlages erhältlich:

https://www.drachenverlag.de/buch/Was_die_Erde_will.html

Für eine Auseinandersetzung mit dem philosophischen und kosmologischen Gehalt der Gathas des Awesta hier die Darstellung des Textes auf der Website des Zarathustra-Vereins in einer Übertragung von H.K. Iranschähr, die ich wegen der Verwendung des Weltseele-Begriffes in der Übersetzung, wenn dieser auch in einer bestimmten Farbe, dem Erdbezug im Textsinn folgend, verwendet wird, für lesenswert halte:

https://www.zarathustra-verein.de/gathas-des-awestas/

Die Übertragung von Paul Eberhardt „Das Rufen des Zaratustra“ ist nur zuweilen antiquarisch erhältlich und zeichnet sich durch poetische Kraft und Klarheit aus und ist für wiederholtes Lesen gut geeignet.

Zum Suchen und kurzweiligen Philo-Schmökern

http://www.philos-website.de/

Unter ‚Gott‘ finden sich dem Alphabet nach geordnet viele wichtige Denker mit Zitaten:

z.B. Anicius Manlius Torquatus Severinus Boethius (480 – 524):

„Wer tiefen Sinnes Wahrheit aufzuspürn suchet
und will dabei durch keinen Abweg getäuscht werden,
der gebe frei das Licht des inneren Gesichts einwärts,
die lange Schwingung beugend zwing er zum Kreise
und lehre seinen Geist, was draußen er hart mühet,
daß er‘s besitze in den eignen Schatzkammern:
Was eben noch de schwarze Wolke des Wahns deckte,
wird klarer leuchten als selbst Phöbus‘ Lichtstrahlen.
Nicht alle Helligkeit vertrieb dem Geist nämlich
der Leib, mit sich Vergessen bringende Last schleppend.
Es hängt gewiß der Wahrheit Funke tief drinnen,
der aufgereget wird, wenn Lehre ihn anfacht.
Warum, gefragt, sonst meint ihr aus euch selbst Wahres,
wenn nicht die Glut noch drin ins Herz gesenkt lebte?
Wenn aber Platos Muse keinen Trug kündet:
was jeder lernt, Vergeßnes ruft er dann vor sich.“

Zur jüdischen Spiritualität der Ba’al Shem

https://www.dctp.tv/filme/1000-jahre-baal-shem/

Man erhält eine Ahnung von den eigentlichen Wurzeln der jüdischen Spiritualität in diesem Gespräch und den vielfältigen Einflüssen des Judentums in Europa seit dem Mittelalter in der Heilkunde. – Sehr schöne kurze Darstellung der Aufgabe des Menschen als ‚Schlusssteinsetzer‘ in der Schöpfung. ‚Wahres Judentum‘ sozusagen.

Karl Erich Groetzinger, Uni Potsdam

 

 

Reinkarnation als eigenständige Idee im ‚Westen‘

Herbert Ludwig hat einen Artikel verfasst gegen die Annahme, dass die Wiederverkörperungsidee allein dem Kontakt des Westens mit der Weisheit des Ostens entstammt. Ich finde seine Auflistung interessant – man wird sich klarer darüber, dass universale Ideen überall von Zeit zu Zeit auftreten und nicht kulturgebundene Güter sind noch sein können.

Die Hervorhebung der Leistung von Rudolf Steiner fügt sich ein in den Reigen deutscher Geister. Im Raume steht, dass eine überzeugende Argumentation in Sachen Reinkarnation bisher nur selten oder nur in Ansätzen geleistet worden ist; tragfähig erscheint mir das ‚Konzept‘ einer nie vollständig inkarnierbaren geistigen Wesenheit, die die Verkörperungen in der Zeit entfaltet – und das keineswegs folgenlos oder einfach ohne Rahmen und Konsequenzen: denn ein tieferer Sinn muss ja aller Entwicklung innewohnen und er kann auch nur in klarer Rahmensetzung sich vollziehen (gemeint ist eine gewisse ‚zeitliche Begrenzung‘ und ein diese hervorbringendes ‚Gesetz‘ – welchem auch ‚zuwidergehandelt‘ werden kann ).

Die besondere Leistung von Jochen Kirchhoff ist es u.a., dass es ihm gelungen ist, für diese Denkweise eine grundschlüssige gedankliche Figur (die des kosmischen Anthropos) entwickelt zu haben, die auch als ‚Zielfigur‘ des Menschen verstanden werden kann und muss, wenn auch in einem umfassenden, nicht-trivialen Sinne.

‚Nichts ist hier einerlei, was es auch sei‘ (Zitat A. F., Songtext) kann so als Richtschnur für die tagnächtliche Weiterentwicklung des menschlichen Geistes in und außerhalb von Verkörperungen aufgefasst werden – insofern ist auch nicht einerlei, dass es sehr wohl eine deutsche Tradition des Gedankens der Wiedergeburt gegeben hat und gibt.

Die Gedanken von Herbert Ludwig am Ende seine Artikels seien jedem nachdenkenden Menschen besonders ans Herz gelegt: wir brauchen sie für uns selbst wie für die echte Gemeinschaft der Völker: Deutsche Töne, kosmisch.

Hier der Link zum Artikel von Herbert Ludwig:

Entwicklung durch Wiederverkörperung des Menschen – eine ignorierte Erkenntnis deutschen Geistes

Hier der Link zu einem Reinkarnations-Videogespräch mit Jochen Kirchhoff:

Der kosmische Mensch – Adam Kadmon

Erinnerungen an verschiedene Annäherungen zum Thema Kosmischer Anthropos

Jüdische Tradition (und Querverweise)

https://anthrowiki.at/Adam_Kadmon

Ein Artikel über die traditionellen Vorstellungen (oder Pendants) bzw. Wissensbewahrungen zur Gedankenfigur (und Realität) des Kosmischen Anthropos (Begriff von Jochen Kirchhoff)

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C.G. Jung

https://symbolonline.de/index.php?title=Anthropos

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Graf Dürckheim

https://www.duerckheim-ruette.de/inhalt.php?WEBYEP_DI=44

Lama Anagarika Govinda „Weit über mich hinaus“

Lama Anagarika Govinda: Weit über mich selbst hinaus. Gespräche über Tantra und
Meditation. Hrsg. Birgit Zotz, 228 Seiten, Gräfing 2017, ISBN 978-3-89427-767-3, 19,95 €

Rezension von Benedikt Maria Trappen, Augsburg 2018

Wie lebendiger Buddhismus im 21. Jahrhundert gelebt werden kann

Lama Anagarika Govinda: Weit über mich selbst hinaus
Wie Buddhismus im 21. Jahrhundert im Westen gelebt werden kann
Die in dem von Birgit Zotz herausgegebenen und eingeleiteten Buch versammelten Vorträge
und Gespräche, die weitgehend den inzwischen vergriffenen Ausgaben von „Das Buch der
Gespräche“ (1998) und „Leben im Geiste des Buddhismus“ (2006) entnommen sind, wurden
für diese Neuausgabe anhand der im Archiv der Lama und Li Gotami Govinda-Stiftung
aufbewahrten originalen Aufzeichnungen überarbeitet, korrigiert und ergänzt, um dem
interessierten Leser einen möglichst authentischen Eindruck des gesprochenen Wortes zu
vermitteln. Wesentliche Daten und Ereignisse der Biografie führen den Leser kundig in das
Leben und Werk dieses ungewöhnlichen Deutsch-Bolivianischen Wahl-Buddhisten ein, der
als einer der großen spirituellen Wegweiser und Brückenbauer zwischen Ost und West gilt.
Dass Ernst Lothar Hoffmann, wie der bürgerliche Name des späteren Gründers des Ordens
Arya Maitreya Mandala lautet, die abendländische Literatur und Philosophie ebenso kannte
und schätzte wie die indische und tibetische Kultur, prädestiniert den Archäologen, Maler,
Literaten, Übersetzer, Religionswissenschaftler und Bewusstseinsforscher geradezu für diese
Rolle. Eine besondere Affinität verband ihn zudem mit der Romantik, die, folgt man
Philosophen wie Martin Heidegger, José Sánchez de Murillo und Jochen Kirchhoff, der
technisch-wissenschaftlichen Welt immer noch zukünftig ist.
Eine weitere bedeutsame Schnittstelle stellt das Werk C.G. Jungs dar, dessen
Archetypenlehre auf Dispositionen des
Erlebens hinweist, auf das es letztlich allein
ankommt. Worte und Bilder können immer nur Wegweiser und Symbole sein für etwas, das
alles Fassungsvermögen übersteigt und sich einzig im gelebten Leben offenbart und zeigt.
Der angemessene Ort für diese Verwirklichung ist daher der Alltag, nicht die Klausur, dessen
Herausforderungen und Mühen den Weg ausmachen. Govinda positioniert sich mit dieser
klaren Formulierung deutlich gegenüber einer Fülle mehr oder weniger „esoterischer“
Richtungen, die sich verstärkt seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in Amerika und Europa
„untergründig“ entwickelt haben. Selbstverantwortung, Selbstdisziplin, Selbstgestaltung
stehen für ihn an erster Stelle, nicht weltferne Frömmigkeit, Heiligkeit und Unterwerfung
unter Dogmen und Führer.
Das Fundament dieser klaren Positionierung findet Govinda ebenso im Leben und Tun
Buddhas und den damit verbundenen erkenntnistheoretischen Einsichten wie in den
philosophischen und künstlerischen Werken des deutschen Idealismus und der Romantik.
Unendlichkeit zeigt sich im Endlichen, das Universelle im Einzelnen. Das immer erneute
Überschreiten von Grenzen, Transzendieren, öffnet, weitet das Bewusstsein. Die sich in
immer erneuten Windungen nach oben schraubende, weitende Spirale ist daher für ihn das
wesentliche Bild der lebenslangen Entwicklung, Wandlung, Transformation. Leben geht
hervor und spielt sich ab zwischen Polen. „Ewigkeit“ stellt daher keinen Gegensatz zur„Zeit“
dar, sondern bezeichnet eine besondere Erlebnisqualität derselben. „Unsterblichkeit“ meint
nicht „unbegrenzte Dauer“, sondern eine ausgezeichnete, hier und jetzt zu verwirklichende
Qualität des Seins. Worum es letztlich geht, ist die Menschwerdung des Menschen, der
seinen Egozentrismus relativiert und überwindet, offener wird und in Mitfreude und
Mitgefühl der Welt und den anderen verbunden ist. In dieser Aufgabe, nicht in Formeln und
Dogmen, nicht in Kulten und Ritualen, erblickt und begreift Govinda das Wesen aller
Religion. Was zählt ist daher einzig das gelebte Leben, wobei der Richtung, den Intentionen,
der Gesinnung mehr Bedeutung zukommt als den Taten und den oft unbeabsichtigten und
unabsehbaren Folgen. Das Ganze des Welt-Spiels und seiner Harmonie bleibt uns verborgen.

Wir sehen und verstehen immer nur Ausschnitte, Perspektiven, mal mehr, mal weniger tief
und weit erhellte Lichtungen eines unendlich verwobenen Bedingungsgefüges. Diese
Erkenntnis macht bescheiden und demütig. Erleuchtung bläht nicht auf, sondern macht
bescheiden angesichts der Fülle des Nichtwissens und des Mangels an Sein. Auch den Streit
der Schulen und Religionen, der immer nur ein Streit über Worte ist, lässt Govinda damit
gelassen hinter sich. Das Unsagbare ist unsagbar. ES kann als Tragendes und
Durchdringendes, als Belebendes, Inspirierendes, Kreatives nur erfahren und erlebt werden
und zeigt sich in seinen Früchten, dem lebendigen Fortgang. Dasselbe offenbart sich in allen
Entwicklungen, aber immer wieder anders, neu.
Govindas Impulse, die aus diesen Vorträgen und Gesprächen immer noch machtvoll wirken,
können das Gespräch zwischen Ost und West auch heute noch bereichern und klären und
dem aufrichtig Suchenden Kompass und Leuchte sein.
Ein ausführliches Register und ein verständliches Glossar erleichtern dem Anfänger wie dem
Fortgeschrittenen die Aneignung und Vertiefung dieses wertvollen Erbes.

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Kommentar Uli Fischer

Lama Anagarika Govinda ist ganz sicher eine herausragende Figur des buddhistsichen Lebens der Neuzeit und über die buddhistischen Zirkel hinaus wirksam und wahrgenommen worden.

Die Bemerkungen Benedikt Maria Trappens zu den Themen „Ewigkeit“, „Unsterblichkeit“ und „Verborgenheit des Ganzen des Welt-Spieles“ – wenn sie in diesem Zuschnitt denn vollständig zutreffen auf die Positionen Govindas – sind aus meiner Sicht Ausdruck einer gewissen Begrenzung, die dem ‚buddhistischen Ansatz‘ (eine sicher schwierige aber legitime Verallgemeinerung) oft anhaftet, weil der Fokus natürlich auf der ‚Befreiung vom Daseinskreislauf‘ liegt.

Wir sehen bei europäischen Denkern wie Schelling, Novalis, Krause und Kirchhoff wichtige, mehr als nur ergänzende Perspektiven, die einen – demütigen – Blick auf das Ganze sehr wohl erlauben und auch fordern und auch die Frage nach dem Verhältnis von Zeit, Überzeit (im Kirchhoffschen Sinne) und Ewigkeit sinnvoll stellen und (im Rahmen des haltbar Aussagbaren) auch beantworten.

Auch zur Annahme einer möglichen „Unsterblichkeit“ gehen u.a. von diesen Denkern Impulse und zum Teil klare Perspektiven aus, denen ich zuneige.

 

 

Rabindranath_Tagore

Der weltberühmte Dichter (und vielseitige Künstler):

„Doch es ist eine Sünde, den Glauben an den Menschen zu verlieren; diesen Glauben werde ich bis zuletzt retten.“

Tagore

Wo eigenes Denken nicht von Furcht geprägt ist,
und man erhobenen Hauptes sich bewegt;
Wo die Welt  nicht zerspalten ist durch enge, selbstgesetzte Mauern;
Wo Worte aus der Tiefe der Wahrheit kommen;
Wo rastloses Streben die Arme ausstreckt nach der Vollkommenheit;
Wo der klare Strom vernünftigen Denkens noch nicht versandet ist in der öden Wüste lebloser Gewohnheit;
Wo der menschliche Geist, von Dir geleitet, den Rahmen des  Denkens und Handelns ständig erweitert –
Zu diesem Himmel der Freiheit, mein Vater, erwecke und führe mein Land.

aus: Gitanjali, 1913

 

http://www.nonviolent-resistance.info