Archiv der Kategorie: Kunst und Kultur

Anselm Kiefer und die Quantenphysik

Es ist immer mal wieder interessant, wie sich die Erkenntnisbemühungen allgemein in der zeitgenössischen Kunst spiegeln. Hier eine Artikel über Anselm Kiefer (und einige seiner ‚metaphysischen‘ Ansichten und Erlebnisse) in Spiegelungsversuchen mit der Quantenphysik.

https://artinwords.de/anselm-kiefer-und-anton-zeilinger-in-der-albertina/

Natürlich zeigen sich dabei auch die ‚philosophischen‘ Denkungereimtheiten, etwa wenn unisono von Künstler und Quaatenphysiker Raum und Zeit als möglicherweise nicht notwendige Denkgewohnheiten klassifiziert werden, um ‚Erlebnisse der anderen Art‘ (z.B. eingebildeten oder realen Kontakt zu verstorbenen Künstlern) zu erklären.

Anselms ‚Sternenhimmelverbundenheit‘ hat ein interessantes Bild hervorgebracht. (weiter unten im Artikel)

Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir, 1997, Holzschnitt

Mozarts Requiem

Nachfolgend ein Text von Nicolaus Harnoncourt, gefunden auf der Wikipedia-Seite zu Mozarts Requiem. Ich stimme der Einschätzung zu, dass Mozart trotz der posthumen Vervollständigung der Partitur vollständig erkennbar ist und bleibt und das Werk als Einheit wahrgenommen werden kann und auch sollte.

 

MOZART Requiem (Totenmesse) 1791

In seinem Sterbejahr 1791 hat Mozart ein Auftragswerk für Graf Franz von Walsegg-Stuppach komponiert: eine Totenmesse.

Leider hat er es nicht vollenden können, weil er am 5. Dez.1791 [mit 35] gestorben ist. Aber einige seiner Schüler haben sich darum bemüht, (vor allem Franz Xaver Süßmayr) damit die Witwe Constanze nichts zurückzahlen musste, denn der Graf hat einiges vorausbezahlt. (Er wollte es als sein eigenes Werk ausgeben) So ein Requiem besteht sehr oft aus den Messteilen, aber es fehlt das Gloria, weil Jubel unpassend wäre. Dafür gibt es ein mittelalterliches Gedicht „Dies irae“ (Thomas Celano) das von einem jüngsten Gericht spricht; eine Sehnsucht aller Menschen, dass es eine ausgleichende Gerechtigkeit geben möge.

Der Erfolg: nicht nur Mozart selbst hat versucht vom anonymen Auftraggeber möglichst viel Geld für seine Arbeit zu lukrieren, auch seine Frau Constanze war geschäftstüchtig mit diesem Werk und auch die Nachwelt hat wegen der Mythenbildung: (alles ziemlich geheimnisvoll und noch immer nicht ganz geklärt!) Gewinne erzielt.

Requiem-Sätze wurden bereits 1968 in der Filmmusik zu „Teorema – Geometrie der Liebe“ von Pier Paolo Pasolini benutzt, später bei „Eyes Wide Shut“, „The Big Lebowski“, „Der König der Löwen“, „Die Unglaublichen – The Incredibles“, „Elizabeth“, „Revolver“ und natürlich in „Amadeus

Das Werk:

Introitus (Einleitung): Requiem aeternam

Kyrie (Herr erbarme dich) Doppelfuge

Sequenz: Dies irae, (Tag des Gerichts)

Tuba mirum, (Posaune und Bass)

Rex tremendae

Recordare

Confutatis

Lacrimosa (ab Takt 9 von Süßmayr)

Offertorium: 1. Domine Jesu + Fuge:Quam olim Abrahae,

2. Hostias mit Fugenwiederholung

Sanctus von Süßmayr

Benedictus von Süßmayr

Agnus Dei von Süßmayr

Communio: Lux aeterna [das ewige Licht] (wie Introitus, nur anderer Text)

Auch in neuerer Zeit gibt es zahlreiche Versuche das Werk besser oder anders zu vervollständigen, zum Teil mit anderen Mozart Kompositionen, z.T. durch Verbesserungen der Sätze von Süßmayr.

Für google freaks: Woran ist Mozart gestorben? Wurde er vergiftet? Hatte Süßmayr einen guten Ruf bei Mozart? Warum hat Constanze das Requiem mehrmals verkauft? Wo wurde Mozart begraben? Wurde er in einem Josephinischen Gemeindesarg (Klappsarg) zum Friedhof gebracht? Hat derselbe Joseph II. wirklich Lebkuchen verboten? Warum? Welche Reformen gab es zu dieser Zeit noch? Wieviele Kinder hatte Mozart? Wieviele überlebten? Wer (seiner Kinder) war auch Komponist? Welche Spiele waren Mozarts Favorits?

Requiem ist immer auch Trost für die noch Lebenden. Im Zusammenhang mit dem Sterben sind Angst, Trauer, Wut, Resignation, aber auch Zuversicht, Vertrauen häufige Gefühle. Welche Gefühle hast du bei dir während der Hörbeispiele (wo?) entdeckt?

Gedanken und Eindrücke zum „Requiem“

Mozarts einziges Werk mit autobiographischem Bezug- von Nikolaus Harnoncourt:

Ich möchte jetzt keine analytischen oder musikwissenschaftlichen Studien zu diesem Werk machen, sondern Eindrücke wiedergeben, die mich beim Erarbeiten von Mozarts „Requiem“, für einige Aufführungen und für diese Aufnahme, als Musiker unmittelbar berührten. Zunächst empfand ich – trotz der fragmentarischen Überlieferung und trotz der vielfach so hart kritisierten Ergänzung durch Mozarts Schüler Süßmayr das Zusammenhängende, den großen Wurf des Ganzen, die Architektur des Gesamtwerks bei weitem zwingender als jemals früher: Die ergänzten Teile kann ich musikalisch keineswegs als Fremdkörper sehen, sie sind im Wesen mozartisch. Es ist für mich völlig abwegig und unmöglich, zu glauben, ein inferiorer Komponist wie Süßmayr, dessen Kompositionen niemals über ein banales Mittelmaß hinausreichen, hätte aus eigenem f das Lacrimosa vollenden und dieses Sanctus, Benedictus und Agnus Dei komponieren können. Selbst eine von den anderen Teilen ausstrahlende Inspiration, die Süßmayr gleichsam beflügelt hätte, kann mir die Herkunft dieser Musik nicht glaubhaft machen. Für mich sind diese Sätze eben auch von Mozart, sei es, dass Süßmayr entsprechendes Skizzenmaterial zur Verfügung hatte, sei es, dass ihm diese Kompositionen im Laufe der Zusammenarbeit von Mozart eindringlich vorgespielt worden waren. Auch die deutliche qualitative Diskrepanz zwischen der Komposition und der Süßmayrschen Instrumentation dieser Sätze bestärkt mich in meiner Überzeugung.

Wir wissen aus Mozarts Briefen, dass Gedanken an den Tod und gläubige Auseinandersetzung damit für ihn vertraut und selbstverständlich waren. So schreibt er 1787, also mit 31 Jahren, an seinen kranken Vater: „… da er Tod, genau zu nehmen, der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel beruhigendes und tröstendes! und ich danke meinem Gott, dass er mir das Glück gegönnt hat mir die Gelegenheit zu verschaffen, ihn als den Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit kennen zu lernen. Ich lege mich nie zu Bette ohne zu bedenken, dass ich vielleicht, so jung als ich bin, den andern Tag nicht mehr sehen werde …“

Schon das Todesquartett aus „Idomeneo“, das Mozart zehn Jahre vor dem „Requiem“ geschrieben hatte, wirkt auf mich wie eine erste sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Mozart, der sich ja mit Idamante identifizierte, hatte zu dieser Oper, besonders aber zu diesem Quartett, zeit seines Lebens eine ungewöhnlich starke emotionale Beziehung. Es ist überliefert, dass es ihn so sehr zu Tränen rührte, dass er nicht weitersingen konnte, als er es gelegentlich in Wien musizierte, wobei er wohl den Idamante sang.

Ähnliches wird uns über eine Art Probe des „Requiems“ berichtet, bei der kurz vor seinem Tod die bereits fertigen Teile ausprobiert wurden, wobei Mozart beim Lacrimosa in Tränen ausbrach und nicht mehr weiterkonnte.

Das gesamte Werk wirkt auf mich wie ein zutiefst persönliche Auseinandersetzung; erschreckend und erschütternd bei einem Komponisten, der normalerweise sein persönliches Leben und Erleben geradezu auffallend von seiner Kunst trennte. Das instrumentale Vorspiel ist eine Totenklage (Bassetthörner und Fagotte), zu der die Streicher schluchzend weinen. Diese ruhige Trauer wird aufgerissen durch die Forteschläge der Posaunen, Trompeten und Pauken im siebten Takt: Der Tod ist nicht nur ein milder Freund, sondern der Schritt zum gefürchteten Gericht. Hier empfinde ich zum erstenmal, vielleicht wie Mozart selbst, wie der offizielle liturgische Text zu persönlichster aufwühlender Auseinandersetzung wird: Der Tod trifft jeden einmal – aber was wird mit mir! Oder wie nach „luceat eis“ (das Licht soll ihnen ewig leuchten) im Takt 17 bis 20 die inständige allgemeine Bitte in ein beglückendes Trostmotiv mündet, gleichsam: Alles wird gut werden, weil es Erbarmen gibt.

Das Kyrie, die Bitte um das göttliche Erbarmen, steigert sich aus der allgemeinen Fuge in immer persönlichere, geradezu fordernde homophone Rufe: Herr, Du musst mich begnadigen! Besonders stark ist die Gegenüberstellung des Allgemeinen zum Persönlichen in der Sequenz: Das Dies irae malt erbarmungslos die Schrecken des letzten Gerichtstages, die Strenge des Richters („cuncta stricte discussurus!“), das Tuba mirum, die Erweckung der Toten zum Gericht: nichts blieb ungerächt („nil inultum remanebit“) – rührend persönlich darauf die ängstliche Frage: „Was werde ich Armer dann wohl sagen?“

Oder die krasse Gegenüberstellung des gewaltigen Königs im Rex tremendae mit dem Ich, mit mir: „Rette mich, Quell der Gnade“, die im Recordare, einem Satz, der Mozart nach dem Zeugnis Constanzes besonders wichtig war, in ein eindringliches und zutiefst vertrauendes Gebet mündet: „Du hast mich doch durch Dein Leiden erlöst, solche Mühe darf doch nicht vergeblich sein.“ Ich verstehe die besondere, wohl religiös-musikalische Einstellung Mozarts zu diesem Satz, weil er das Persönliche der Beziehung zu Gott so stark hervortreten lässt, die Möglichkeit der liebevollen Milde des vorher als unerbittlich streng geschilderten Richters innig darstellt, dies besonders an zwei Stellen: „Der Du Maria-Magdalena begnadigt hast, lass auch mich hoffen“ (Takt 83-93) und „Lass mich zu deiner Rechten bei den Schafen sein“ (Takt 116 – Ende).

Im Confutatis, das von vornherein die Gegenüberstellung: Alle – Ich beinhaltet, wird die innig persönliche Beziehung zu Gott im letzten Satz „Sei bei mir, wenn ich sterbe!“ sowohl harmonisch, als auch in einer sicher vertrauensvollen musikalischen Textausdeutung hervorgehoben. Hier höre ich Mozart selbst, für sich selbst sprechen, mit aller ihm zu Gebote stehenden bewegenden Eindringlichkeit, wie ein krankes Kind, das vertrauensvoll seine Mutter ansieht, – und die Angst schwindet.

Nietzsches musikalisches Werk

Einfach nur ‚Gelegenheitsmusiker‘ war Nietzsche nicht – es findet sich eine ganz erstaunliche Vielfältigkeit und ein kompositorischer Ideenreichtum wieder bei deutlicher, souveräner Beherrschung des Harmonien-Handwerkes, der dann auch an den Denker erinnert.

Sollte man hören, um das Nietzsche-Bild nicht zu vereinseitigen: ein ganzer Mensch, dieser Nietzsche – bei allen Schwierigkeiten und dann auch Unbegehbarkeiten seines Weges.

Ein ‚Lebensreligiöser‘, dieser Friedrich Nietzsche –

 

Zu Mozarts unnötiger Verteidigung

Immer wieder mal höre ich, nein, ich vernehme, dass bei Mozart ja alles klar wäre, weil man ihn kenne, wenn man ein paar Sachen von ihm gehört, nein, vernommen hätte. Musiker meinen das. Musiker, die mit seinem Werk intimer vertraut sind als die meisten Hörschaffenden in den Konzertsälen dieser Welt.
Jedes Mal, wenn ich in Reichweite solcher Flachheiten ausharre, nett und freundlich, möchte ich im Innersten kurzerhand den ganzen Mozart einfach aus der Musikgeschichte hinfortnehmen an einen besseren Ort.
Nun, Mozart würde das ganz sicher-vielleicht auch gefallen, denn ob er nun wirklich gern hier gewesen ist unter Nichtseinesgleichen, steht in Frage, so sehr er auch seine Freundlichkeiten und Freundschaften pflegte zu Menschen und solchen, die sich so nannten.
Außer Frage für den Musik wirklich Wahrnehmenden steht die außerordentliche Reinheit, Echtheit, seelische Schönheit und Wahrheit und die fulminante Bandbreite seines Lebenswerkes, welches, jedermann weiß es, in allzu kurzer Zeitspanne seinen Weg aus der Seele Mozarts auf die Notenblätter fand und von dort in die Konzertsäle der ganzen Welt und in das musikalische Gedächtnis einer geistig-seelisch extrem schwerhörigen Menschheit.
Ganz sicher gibt es Momente der Wiederholung von musikalischen Figuren, Phrasen, Abschlüssen, Überleitungen, Grundanlagen (z.B. in seinen Violinen- und Klavierkonzert“reihen“), nicht alles atmet die gleiche Intensität und Tiefe mancher Oper – und es gibt auch ein ganz anderes Moment der Wiederholung, das jedermann auffallen MUSS: die immer wieder hervorbrechende Lebendigkeit, die Zartheit melodischer Figuren, die Verknüpfung von Einfachem und Hochkomplexem, die Urmusikalität überhaupt, die vor Ideen nur so sprudelt und – dies erfordert allerdings auch ein Mozart genügendes eigenes seelisches Gegenüber des Musizierenden und/oder Hörenden – die durchaus unirdische Geistigkeit der mozartschen Musik, die Verheißungskraft(übertragung), die strenge Glückseligkeit, die zuweilen mozartschen Tongebilden entströmt und einen mitreisst, fast so, als könnte und wollte man sich gegen diese beglückende Kraft auch gar nicht wehren.
Mozart macht mich oft glücklich in einem tieferen Sinne, das kann ich wirklich aus eigenem Erleben sagen und zwar auch mit seiner Leichtigkeit, die man nicht mit – auch musikalischer – Naivität verwechseln darf. Mozart war zu keinem Zeitpunkt ein Naiver – wenn auch ein des öfteren ausgelassener und kaum zu bremsender Schwerenöter, der die Diskrepanz zwischen göttlicher Musik und irdischer Dumpfheit und Schwere oft genug irgendwie überleben wollte und musste.
Man muss Mozart nicht verteidigen – Mozart verteidigt sich selbst.
Man muss nicht jeden Tag Mozart hören. Obwohl. Zuweilen schon.
Aber wer ihn nie gehört hätte, wäre auf Erden ganz sicher ärmer, als wir es ohnehin sind auf diesem zerschundenen Planeten, und wir könnten ihn bedauern – jedoch: Wir hören Mozart, und das bedeutet, wir hören nicht nur seine Musik, die aus dem kosmischen Grund der Musik durch uns Hörende hindurch ins Kosmische unseres Lebens im Allleben reicht, sondern wir hören auch ihn selbst, seine Art, die klingende Schöpfung zu betrachten und mit ihr in immer wieder errungener Harmonie voranzuschreiten – wohin ? Dorthin, wohin er uns ganz offenbar vorausgegangen ist.

Gedanken des Künstlers Alfred Darda

http://www.alfred-darda.de/Gedanken.html

Ich kann mit seinen Arbeiten spontan nicht so viel anfangen, seine Gedanken in mancher Hinsicht  sind mir nahe. Arbeitet auch an der Kunstakademie Bad Reichenhall.

Im Blog der Akademie unter „Kunsttexte“ auch eine sehr interessante Ansicht zum Bild des Menschen in der Malerei (etwas nach unten scrollen):

https://kunstakademiereichenhallblog.wordpress.com/category/kunst-texte/

Katharina von Bora – der Film

In der ARD Mediathek zu sehen bis 8.3.2017

Ein Film aus der Perspektive von Luthers Frau, der die Standhaftigkeit und Schöpferkraft, die menschliche Qualität und auch die „religiöse Psychologie“ einer Pionierin des Frauseins jenseits von Unterordnung und bloßem Verzicht auf Entwicklung zugunsten von Mann und Familie bei Beibehaltung einer dienenden Haltung Anfang des 16. Jahrhunderts widerspiegelt. Auch Luther kommt einem da nochmal als Mensch näher. Der Film gewährt einen Zugang zu seiner Lebensleistung ganz unabhängig von der üblichen kirchlichen Vereinnahmung seiner Person, die im Grunde ungerecht ist.

http://www.ardmediathek.de/tv#/tv/Katharina-Luther/Katharina-Luther/Das-Erste/Video?bcastId=40029842&documentId=40810636

Joseph Campbell

https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Campbell

u.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Heros_in_tausend_Gestalten

aus dem Wikipedia-Text (Hervorhebungen von mir):

….Mit der Legitimationsfunktion des Mythos für politische Herrschaft aber werde der universelle Gedanke, den Menschen selbst – qua Menschsein – als ein göttliches Wesen zu verstehen, zu einem Störfaktor und immer weiter verdrängt. Religionskriege und Götter mit dem Anspruch von Allmacht seien die Folge gewesen, Gift für den langsamen Prozess der Reife eines Menschen von einem abhängigen Geschöpf zu einem „selbstverantwortlichen Schöpfer seines Lebens“.

Diese Entwicklung, so Campbell, habe mit dem Zweiten Weltkrieg ihren nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt gefunden. Seit dieser Katastrophe setze sich langsam aber stetig die Einsicht durch, dass nicht dieser oder jener Landstrich, sondern die Erde die Heimat des Menschen sei. Einen Mythos der Menschheit – in dem die Erde die Heimat des Menschen ist – gebe es noch nicht. Ihn zu erschaffen hielt Campbell für unumgänglich. Allerdings: „Die nächste Mythologie läßt sich ebensowenig wie der Traum der kommenden Nacht vorhersagen, denn eine Mythologie ist keine Ideologie. Sie wird nicht vom Gehirn entworfen, sondern vom Herzen erfahren.„….

Martin Weyers

SYMBOLON-Vorsitzender (http://www.symbolforschung.org/)

Maler, Zeichner und Grafiker

http://www.martinweyers.com/

Interessante Bilder mit Bezügen zur Welt der Symbole, zum Mythischen in seiner Tiefe und zum „weltseelischen Treiben“ allgemein

Essay „Zur Quelle, zum Strom, zum Ozean. Symbolik des Wassers im Wandel der Weltbilder“ in SYMBOLON-Jahrbuch Band 20

Ein Gedicht von Ricarda Huch

ICH werde nicht an deinem Herzen satt,
Nicht satt an deiner Küsse Glutergießen.
Ich will dich, wie der Christ den Heiland hat:
Er darf als Mahl den Leib des Herrn genießen.
So will ich dich, o meine Gottheit, haben,
In meinem Blut dein Fleisch und Blut begraben.
So will ich deinen süßen Leib empfangen,
Bis du in mir und ich in dir vergangen.

(erschienen 1907)

Brief an eine Künstlerin

Nachfolgend ein Brief von mir an eine österreichische Künstlerin als Reaktion auf einen Vortrag von ihr mit dem Thema „Realismus und Abstraktion in der Malerei“:

Ein Brief in Sachen Realität, Bildrealität und REALITÄT

Im April 2016
Liebe L. K.
ich möchte einen Gedanken aus Ihrem Vortrag gern noch einmal aufgreifen, weil er meiner Meinung nach der entscheidende Gedanke ist für eine wirkliche Durchdringung dessen, was als Kunst gilt und gelten soll – vor der Gegenwart und der zukünftigen Geschichte:
„In der Malerei geht es immer um das eigentlich Nicht-Dargestellte, das Nicht-Sichtbare.“ (So ungefähr lautete Ihr Formulierung.)
Wäre es nicht so, dann wäre Malerei lediglich eine (ziemlich überflüssige) Kopie der Realität. Es mag sein, dass im gewollten Ausnahmefall die Kopie der Realität selbst dem Darstellen des Nicht-Sichtbaren dient. Im Allgemeinen nimmt jedoch auch das gesunde (sogenannte) „durchschnittliche“ Empfinden (nicht-kopierende) Bilder durch ihre Ausstrahlung als Kunst wahr, so sie denn grundlegende Merkmale des Ästhetischen erfüllen oder/ und bewusst brechen. Bilder – dies mag ein Allgemeinplatz sein – sind selbstverständlich keine Kopie der Realität. Nicht einmal in der Fotografie, wie oft genug betont wird von kunstwissenschaftlicher Seite und von Fotografen selbst. Die Bildrealität – das haben Sie hervorgehoben – ist immer eine „eigene Realität“ und nicht das Dargestellte selbst. Was ist dann aber diese „Bildrealität“, wenn sie nicht die „Realität“ ist ?
Ich möchte an dieser Stelle den Begriff REALITÄT verwenden in klarer Abgrenzung zu „Realität“. Denn ganz offensichtlich handelt es sich bei künstlerisch intendierten Bildern um Hinweise auf Reales. Dieses Reale geht aber über den normalerweise gebrauchten Begriff „Realität“ weit hinaus. Die Großschreibung des Begriffes ist mir hier ein Hinweis auf das Verhältnis von Realität und REALITÄT: Letztere ist ganz offensichtlich eine ontologische Größe umfassenderer Art.
Es gab (und gibt) Zeiten, in denen man der Einfachheit halber auch von der metaphysischen Grundlage der Welt gesprochen hat (und spricht). Diese – metaphysische – Welt spiegelt sich also – ob das Künstler nun wollen oder auch ganz und gar nicht wollen – im künstlerischen Tun wider. Dies zu denken und zu behaupten ist in der naturwissenschaftlich verfassten Moderne, Postmoderne und Postpostpostmoderne… aus verschiedenen Gründen – wie in der Mainstream-Philosophie – aus der Mode gekommen oder nur marginal „en vogue“.
Davon abgesehen sind auch Verwendung findendes Material und das konkrete Tun an der Leinwand metaphysisch gegründet und schlichtweg unmöglich als reine „Realität“ als Maler sind wir mit unserem ganzem Wesen gefordert und in handwerklicher (physischer) Sicht.
Ein Mitstudent im Studiengang hat mich auf sein Selbstverständnis des Wortes Kunst / Künstler hingewiesen: die Kunde / der Kündende.
Ich finde so eine „Übersetzung“ würde gut zu Ihrer Auffassung passen, dass es um das Nicht-Sichtbare im Kunstwerk geht, denn dann wäre der Künstler zumindest der Erfahrbarmachende oder der Erinnernde, der von der REALITÄT kündet. Es ist der nicht sichtbareKampf des Künstler – mit sich selbst, mit seiner Umwelt, mit metaphysischen „Dingen“ – die den Mythos des Künstlerdaseins mitbegründen. Manchmal wird er Mitmenschen auch sichtbar, ohne Frage. Im Grunde bleibt er aber den Sinnen verborgen wie der Kampf in jedem Menschen um Wahrheit, Bewusstheit, Wachstum, Selbstüberwindung usw.
Die „Funktion“ des Künstlerischen, die REALITÄT auf ihre ganz besondere, einmalige Weise zu vermitteln, spiegelt sich selbstverständlich in allen Künsten:
In der großen Musik geht es um das (physisch) Nicht-Hörbare.
In der Literatur geht es um das (physisch) Nicht-vollständig-Sagbare.
In der Architektur geht es auch um das (physisch) Nicht-Erbaubare.
etc.
Und gleichzeitig geht es natürlich auch immer um das konkret Sichtbare, das konkret Hörbare, das konkret Sagbare, das konkret Erbaubare und die Verbindung zu den Un-s und das Mit- und Ineinander von Realität und REALITÄT.
Meiner Meinung nach braucht es zur Überwindung von Überindividualisierung und Trivialisierung der Künste und ihrer damit verbundenen vielen Sackgassen (oder Moden oder künstlich hervorgebrachten Verkäuflichkeiten…) eine undogmatische, dennoch stringente metaphysisch gegründete Kunstphilosophie, die in einer umfassenden metaphysischen Naturphilosophie wurzelt, in der der Mensch in seine eigentliche Würde als metaphysisch-physisches Wesen (wieder oder/und erstmals ) in seine Rechte eintritt. Diese würde auch Orientierungsfragen sicherer klären, Fragen nach dem „Was“ und „Wozu“.
Die Frage nach dem „Wie“, also die Frage nach den Mitteln im Spektrum zwischen realitätsnaher Darstellung und (zunehmender) Abstraktion bzw. den vielen Mischformen, wird dann gelöster Beantwortung finden können, weil es vom Standpunkt der REALITÄT aus eben verschiedene Möglichkeiten der Darstellung gibt, die mehr oder weniger sinnvoll auszuschöpfen anheim gegeben sind.
John Constable kam auf den Gedanken, Malerei als einen Zweig der Naturphilosophie aufzufassen, also als Werkzeug zur Erforschung des Lebens allgemein – mit den Mitteln der Kunst.
Wenn es denn erforscht wird – und nicht zerstört und geplündert, mißbraucht und geschändet – dann ist das eben auch nur sinnvoll auf einer wohl begründeten Annahme von REALITÄT (oder Metaphysik). Ein Teil der Kunst hat sich leider – zu allen Zeiten – gemein gemacht mit den destruktiven Tendenzen in der Welt, mit dem Leugnen der REALITÄT, war Diener und Transporteur irriger Vorstellungen vom „Weltenbau“ und vom Sinn des Daseins generell. Natürlich auch aus ganz „irdischen Gründen“.
Stärken wir den Teil der/unserer Kunst, der in Resonanz mit der kosmischen Ordnung des Lebens das wahre Wesen des Menschen schützt, behütet, fördert, fordert, inspiriert – und gegebenenfalls feiert.
Vielen Dank für Ihren Vortrag – und natürlich viel Erfolg bei Ihrer Arbeit
Herzliche Grüße von U. F. aus Bad Reichenhall
P.S. Man kann das auch einfacher sagen, ohne Zweifel, z.B.:
Kunst dient dem Ausdruck der Seele(n) und ihrer Entwicklung – durch die konkrete Persönlichkeit.

Karl Kraus

Ein seltenes filmisches Zeugnis

Jeder, der sich mit der deutschen Sprache beschäftigt, kommt um die Kenntnisnahme des Wirkens von Karl Kraus nicht herum, der – leider – auch in der heutigen Zeit ein breites Betätigungsfeld hätte bei der Entlarvung von Ideologie und kriegsvorbereitender Sprache in Presse, Funk und Fernsehen und Internet.

Ein Exemplar der „Fackel“ steht deshalb bei mir mahnend im heimischen Bücherregal.

Tolkien

Hier ein Film über die Arbeit des Zeichners, der für die Filme „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ gearbeitet hat. Auf seiner Suche nach den mythologischen und landschaftlichen Wurzeln der Werke Tolkiens.

Man steht ja vor dieser Saga immer mit dem Gefühl, dass sie keineswegs reine Phantasie ist. Mich beschleicht beim Nachdenken darüber das Gefühl, dass Tolkien möglicherweise „allgemein-planetarisches“ Tiefenwissen um die Schwierigkeiten der Entwicklung des Bewusstseins mit irdischen Mythen verbunden hat.

Tolkien war Zeitgenosse von Helmut Krause, Philologe und Literat.

Botho Strauss – der letzte Deutsche

Text für den Spiegel über den Verlust der geistesgeschichtlichen Tradition unter den Deutschen, welcher im Angesicht der Flüchtlingsströme nochmals besonders hervortritt

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Ergo: Wir müssen die Fahne hochalten und den „Alten“ zeigen, dass zumindest in der mittleren Generation noch Leute sind, die sich sehr wohl auf den „Wellenkamm Romantik“ beziehen

Beispiele in der jüngeren Generation 

 

Virginia Woolf

Der Film „The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ endet mit Virginias Woolfs Gang in den Fluss und der Andeutung ihres Freitodes sowie den gesprochenen Worten des Schlusssatzes ihres Briefes an ihren Mann:

„Auf ewig die Jahre zwischen uns. Auf ewig die Jahre. Auf ewig die Liebe. Auf ewig: die Stunden.“

Wenn man Krauses Gedanken und Forschungen zur Kenntnis genommen hat, dann bekommen diese Worte noch eine andere Bedeutungsebene, die Virginia Woolf natürlich nur intuitiv hat erfassen können, wenn sie diese erfasst hatte…