Archiv der Kategorie: Anamnesis

Jochen Kirchhoff – Was ist Erkenntnis

Über die Vielfältigkeit der Zugänge zum Thema hinaus (dargestellt u.a. durch eine Reihe von Zitaten Schopenhauers, Nietzsches und Schellings) bietet Jochen Kirchhoff eine Kritik der wissenschaftlichen Erkenntnismethode und betont die Orientierung auf ganzheitliche Erkenntnis, die in Anamnesis mündet – in Tiefenerinnerung der eigenen Existenz ohne die echte Welterkenntnis nicht (oder nur eingeschränkt) möglich ist.

Eine zentrale Idee des Denkens von J. Kirchhoff, die im Video ihren Niederschlag findet, sei hier in Kürze dargestellt: alle Wissenschaft geht ganz natürlich (und unvermeidlich) von (metaphysischen) Prämissen aus, die philosophischer Natur sind – worin sich schon die Fragwürdigkeit der scheinbar sauberen Trennung der ‚Fachbereiche‘ Philosophie und Physik darstellt. Auch die Interpretation der Beobachtungen basiert immer auf Annahmen, Denkweisen, Überzeugungen. Das ist an sich kein Problem, sondern notwendig so. Weil das so ist, lassen sich bei genügend gründlicher Analyse eben diese Prämissen (Grundannahmen) und Denkweisen einer Kritik unterziehen. Wenn diese Kritik erfolgreich ist, dann sind auch die Schlussfolgerungen, die auf der Basis falscher (bzw. unhaltbarer) Prämissen gezogen werden, falsch. Die Beobachtungen müss(t)en dann neu – auf der Basis haltbarerer Prämissen – gedeutet werden. –

Besonders sei auf den gut begleiteten Video-Kommentarbereich hingewiesen, in dem einige Leute auf ganz konkrete Widersprüche hinweisen (z.B. Messverfahren der angeblich nachgewiesenen Gravitationswellen). Es ist interessant zu beobachten, wie doch ‚unter der Oberfläche‘ erhebliches Potential bei Interessierten vorhanden ist, der Dauerberieselung mit ‚Fake-News aus dem Universum‘ (A. Unzicker) klares Denken und Unvoreingenommenheit entgegenzusetzen. –

Bericht der Galileo Commision: Science Beyond a Materialist Worldview

Wissenschaftler-Kommission fordert Erforschung des Bewusstseins jenseits der materialistischen Weltanschauung

Hier das zusammenfassende PDFGalileo-Report-Final

Summary of Arguement ab S.22

A Galileo Moment

Aktivitäten von Prof. Harald Walach

Der Geistesblitz als Erkenntnis-Instrument

https://www.deutschlandfunk.de/der-geistesblitz-zum-phaenomen-der-ploetzlichen-erkenntnis.1184.de.html?dram:article_id=207004  

Artikel von Judith Klein

Der Artikel beginnt mit Nietzsches Erlebnissen in Sils-Maria, die zur Niederschrift des Zarathustra führten. Er (der Artikel) versucht Beispiele in Literatur, Philosophie und Wissenschaft aufzuzeigen und zu deuten – aus einer konventionellen Sicht; dennoch interessant, dass hier das Phänomen der ’sprunghaften Erkenntnis‘ (verschiedener Intensitätsgrade) überhaupt zugelassen wird.

Aus der Sicht eines ganzheitlichen Bewusstseinsmodells (Gebser, Aurobindo, Wilber, Kirchhoff) ist dies leichter verständlich, oder überhaupt verständlich, weil in diesen Modellvorstellungen die Existenz von transmentalen Bewusstseinsregionen/zuständen zugelassen und bejaht wird.

Man kann also ‚Intuitionen‘ grundsätzlich als plötzliches Durchbrechen höheren Bewusstseins in das Ich-Bewusstsein begreifen (siehe auch „Anderswelt“ von Jochen Kirchhoff, in der der Versuch unternommen wird, diese Erlebnisse in einer philosophisch begründeten Phänomenologie zu ordnen und zu deuten, wenigstens ansatzweise; das Feld ist im Grunde ‚unüberschaubar‘, riesenhaft und es bedarf ganz sicher in Gegenwart und Zukunft einiger Anstrengungen, um hier zu belastbaren Verallgemeinerungen, wenn dies überhaupt möglich sein sollte, zu kommen).

Ich habe diesen Artikel hier verlinkt, weil oft die Information, dass Helmut Friedrich Krause die Grundidee der Radialfeldvorstellung durch ‚Intuition‘ gewonnen hat, gegen die Glaubwürdigkeit des Gehaltes der Intuition in Anschlag gebracht wird.

Wie der Artikel vielfältig zeigt, darf die Erkenntnisquelle ‚Intuition‘ nicht per se diskreditiert werden. Da stören auch nicht die einschränkenden Behauptungen der Hirnforschung/neurobiologischen Forschung in diesem Zusammenhang. –

Selbstverständlich ist echte Intuition ein konstituierendes Element von geistigen Durchbrüchen in Philosophie und Wissenschaft, in der Folge dann eben begleitet von rationalem Denken bzw. einer Verschränkung weiterer Intuitionen und rationalem Denken. Jeder Musiker, der selbst schöpferisch tätig ist, komponierend, weiß um die ’seltsamen Wege‘ die Melodie(auffindungene)n gehen können. Jeder Dichter kennt den ganz speziellen Dunstkreis ‚intuitiver Atmosphären‘, entwickelt seine Haltungen und Rituale, um in entsprechende Stimmung zu kommen etc.

Der Kosmische Anthropos – Videogespräch mit Jochen Kirchhoff

Ein wunderbar dichter und klarer Beitrag von Jochen Kirchhoff zu einem sinnvollen Menschenbild, das den geistig-seelischen Kosmos als komplementäres Element benötigt – eine Wegweisung, die jeden Menschen in seiner Urwürde anspricht.

Zum Begriff der Anamnesis bei Jochen Kirchhoff und Helmut Friedrich Krause

Dies ist ein zunächst kurzgehaltener Versuch einer auch rationalen Annäherung an ein schwieriges Thema, ein Thema, das ohne Einbettung in eine naturphilosophische Kosmologie und Metaphysik nicht bewältigbar ist. Moderne Psychologie, Philosophie und die thematisch hier immer wieder angesprochenen Naturwissenschaften werden entweder die Phänomene an sich in Zweifel ziehen oder zu eingemeindenden Erklärungsmustern greifen, die auf eine Nivellierung und tendenzielle Bagatellisierung hinauslaufen. Sie werden eine Selbstinfragestellung ihrer Disziplinen in ihrer derzeitigen Verfasstheit, die aufkommen würde bei echter Annahme der Phänomene und davon in gewisser Weise unabhängiger philosophischer Tiefenschau, in der Regel abwehren. Unter Wahrung des materialistisch-naturwissenschaftlichen Paradigmas unserer Tage ist eine andere Reaktion auch von vornherein im Grunde verunmöglicht, wenn auch in Grenzbereichen Annäherungen von naturwissenschaftlicher Seite aus möglich sind, u.a aufgrund der von Einzelnen erkannten Inkonsistenzen.

  • Anamnesis ist bei beiden Autoren ein Modus der Erinnerung oder auch -gewahrwerdung, -vergegenwärtigung, der die zeitlichen Grenzen, die dem Leben der einzelnen Person gesetzt sind, überschreitet (oder überwindet). Beide gehen davon aus, z.T. im Rückgriff auf eigene Erlebnisse, die so gedeutet werden, dass Erinnerungen an Vorverkörperungen grundsätzlich möglich und auch anzustreben sind, was das Bestehen auf einem alle Menschen betreffenden grundlegenden Entwicklungsprinzip – dem der Wiedergeburt – naturgemäß voraussetzt. Damit unterscheidet sich dieser Vorgang entscheidend von organismuszeit- oder persönlichkeitszeitgebundener Erinnerung, die z.B. durch die Erinnerung anderer gleichzeitig lebender Personen oder deren Zeugnisse direkt verifizierbar ist oder wäre.
  • Darüberhinaus bezieht Jochen Kirchhoff den Begriff Anamnesis etwas ausdrücklicher (oder ausgesprochener) auf das Erinnern des ICH (der verkörperungsübergreifenden Identität, die in Konsequenz der Frage nach der eigentlich erinnernden Instanz postuliert wird) und deren ‚Buddhanatur‘ (ewige Natur). Anamnesis stellt so gesehen Akte des transzendentalen Erinnerns dar, des Überschreitens der ausschließlich persönlichkeitsbezogenen Identität. Jochen Kirchhoff weist immer wieder darauf hin, dass auch Erinnerungen an Vorverkörperungen nur über (das beständige Wirken und ‚Mitsein‘) dieses ICH möglich und erklärbar sind.
  • Desweiteren verbindet sich mit dem Begriff der Anamnesis auch eine Art der Erinnerung, die auf das Weltganze und dessen Sinn bzw. Werden zielt, eine Art „absoluter Erinnerung“ bezogen auf metaphysische Vorgänge und auf ‚Gottes Sein und Werden‘, die mit dem Themenkomplex der Universalität des Individuellen verbunden ist.
  • Jochen Kirchhoff verbindet auch den Schöpfungsprozess selbst mit einer Art permanenter Anamnesis, in dem sich aller Vollzug von Entwicklung der Fähigkeit sich zu erinnern bedient, in dem (nicht-trivialen) Sinne, dass die Formendurchläufe des Seelischen auf etwas zurückgreifen, das „schon da ist und war und immer da sein wird“ und im Schöpfungsvollzug erinnernd re-realisiert wird. Dies geschieht vergangenheitlich und zukunftgegenwärtigend in verschlungenem Zugleich. Die ‚Selbstoffenbarung Gottes‘ (Schelling) und ‚Anamnesis‘ (ein Begriff, der durch Platon ins philosophische Denken eintrat) in ihrer tiefsten Bedeutung erscheinen als zwei Seiten der einen Medaille des werdenden Seins, das immer schon geworden ist. Die Schönheit dieses Gedankens und die Gewaltigkeit und Durchwaltigkeit dieses Vorgangs sind unermesslich… Anamnesis ist in dieser Hinsicht beständiges Wirk-, Gestaltungs- und Erlebensprinzip.
  • Auf die Wichtigkeit der (höheren  – oder tieferen) Erinnerungsfähigkeit weist Jochen Kirchhoff z.B. (und dies gilt für schöpferische Leistungen auch ganz allgemein) im Zusammenhang mit den Leistungen großer Komponisten (in Renaissance, Barock und Klassik bis zur Romantik) hin bzw. mit der Leistung der Musiker und Hörenden, sofern sie den metaphysischen Räumen und Strukturen der Musik in sich selbst Wirklichkeit und wirkende Macht gestatten bzw. diese entdecken und kultivieren.
  • Man kann den Begriff oder den Vorgang, das Prinzip der Anamnesis auch auf die von Jochen Kirchhoff (in dieser Form) eingeführte Triade beziehen: auf Weltgeist, Weltäther und auf Weltseele. Dann gibt es durch den Menschen erinnernden Zugang zum ‚Absoluten Geist‘ (der transzendenten Gottheit), zum ‚Absoluten‘ (in Form der von den Gestirnen radial verstrahlenden primordialen, göttlichen Urenergie – dem einen Aspekt der immenanenten Gottheit) und zum Formendurchlauf des Bewusstseins in der Weltseele (dem anderen Aspekt der immanenten Gottheit). Diese ‚Ordnung der Anamnesis‘ dürfte in der Geschichte irdischer Spiritualität ein echtes Novum sein und eine große Möglichkeit zur Einordnung der verschiedenenen Phänomene geistiger Durchbruchserlebnisse. Eine weitere fulminante Leistung Kirchhoffs.

Gibt es Beispiele im eigenen Erleben, die eben eine Überwindung der lebenszeitbegrenzten oder persönlichkeitsbegrenzten Erinnerung nahelegen ? ( Diese Frage betrifft eben nicht nur den zeitlichen Verlauf, sondern sie steht auch in Beziehung zur Metaphysik des augenblicklichen Erlebens generell.) Das kann man sich zunächst fragen.

Inwieweit hat der Einzelne Zugang zu Wissen kosmischer Dimension oder gar zu absolutem Wissen ? Erkenntnis’theoretisch‘ muss ja eine (näher zu bestimmende) Gleichheit von Einzelnem und Kosmischem (innen und außen) dann vorausgesetzt werden. Ist dieser Zugang einfach „erarbeitbar“ ? Wer oder was bestimmt diesen Zugang noch – oder überhaupt ?

Die Frage ist zu stellen, wie überhaupt ein Werden denkbar ist aus sich selbst ohne eine Art Vorlage oder Matrix. Dieser Frage und ihrer Beantwortung in der Annahme eines nicht einfach überschreitbaren oder negierbaren Dualismus (in Form des Miteinander von geistiger und materieller ‚Ebene‘) hat sich Jochen Kirchhoff in seiner Tetralogie in verschiedener Weise überzeugend gestellt. Ich betrachte diese Tetralogie als Quelle vielerlei Impulse zu intensiver, selbständiger Bewusstseinsarbeit – die ja unmittelbar ins WELTGESCHEHEN einfließt und es mitbestimmt.

Besonders denk-würdig oder hilf-reich ist die Kirchhoffsche Reformulierung der alten Weisheitsformel „Erkenne dich selbst“ in der Form „Erkenne DICH SELBST“, die insofern hilfreich ist, weil hier das Nichtaufgehen dieses Erkennens im umfassenden Erkennen des personalen Ichs expliziert ist. (Um Missverständnissen vorzubeugen und Einordnungen von Erfahrungen einfacher möglich zu machen).

Und so können wir uns weiter auf die spannendste und zugleich subtilste, schwierigste und ’naheliegendste‘ Suche der Welt machen: wer bin Ich-ICH ? Und weil ich-ICH es ’schon bin‘ und ’sein muss‘ kann es nur in einem Akt tiefster Erinnerung ‚realisiert‘ (in doppeltem Sinne) werden – und so dem kosmischen Werden dienen und der Erfüllung und Vollendung des eigenen Schicksals, das dem Schicksal des Planeten, des Sonnensystems und – nach Helmut Friedrich Krause – auch der ganzen Galaxie unauflöslich verbunden ist.