Die Wurzeln der Welt – Emanuelle Coccia

In einem Interview der Beilage der Süddeutschen Zeitung antworteten Peter Wohlleben und Emanuele Coccia auf Fragen zur Bedeutung des Waldes. Coccia entpuppte sich dabei angenehm u.a. als Kenner ‚des spezifisch deutschen Geistes‘.

Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte, ca. 42 Jahre Alt (Jg.1976) und hat u.a. eine ‚Philosophie der Pflanzen‘ geschrieben mit dem schönen und schillernden Titel „Die Wurzeln der Welt“. Bei Amazon kann man kurz anlesen.

Dort kann man lesen, dass er auch Gedanken Giordano Brunos  kennt – wie die eines Aristoteles. Auch auf Fechner nimmt er Bezug. Sowie auf Kollegen (auch seiner Generation), die der Pflanzenwelt im philosophischen Denken einen echten Platz einzuräumen gewillt sind.

Beim Anlesen hat man insgesamt ein seltsam halb-kosmisches  Gefühl; er triggert – verstanden oder unverstanden – wichtige Punkte, z.B. den der Teleologie, aber es bleibt doch die Frage, ob er echter Metaphysik, die er bejaht und auch meint zu betreiben, einen Dienst erweist.

Ich will noch kein Urteil fällen. Immerhin geht jemand über bloße biologistische Betrachtungen weit hinaus und versucht sich an einer Philosophie der Pflanzen und damit auch an einer Rettung der (geistig-seelischen) Würde der Pflanzen; Pflanzen sind ‚jemand’…; das ist an sich lobenswert und auch grundrichtig. Ohne eine Einordnung in den großen Sinnzusammenhang des anamnetischen Prozesses, den man auch den ‚gestirnanthropischen‘ nennen könnte, wenigstens behelfsweise, bleibt alles in einer neuen Teilwahrheit (die dann eben auch Unwahrheit wird) stecken, die aber Öffnungsfunktion haben könnte auch zur Überwindung der völlig unhaltbaren Annahmen der Naturwissenschaft in Sachen Evolution und Funktion der Pflanzenwelt.

Man hat schon den Eindruck, dass E.C. das kosmische Wesen der Pflanzen, also ihre energetisch-seelische Einbindung in die galaktische Lebenssphäre, berührt, ahnt, ‚weiß‘, formulieren kann oder könnte.

Gefallen hat mir bisher eine Kritik der Überbetonung der Tierrechtsbewegung (gegenüber der Pflanzenwelt/einer ‚Pflanzenrechtsbewegung‘) und das Benennen einiger Blindheiten dieses Ansatzes zur ‚Erlösung (eines Teils) der Natur‘. Das ist ein wichtiger Gegenakzent, der sich natürlich nicht gegen die Verteidigung der Tierwelt richtet, sondern gegen die ‚Verteidiger‘, die z.B. die Würde des Menschen gern auf die eines bloßen Quasitieres beschränkt sehen und die besondere Stellung des Menschen im Weltganzen ‚leichfertig‘ (oder auch mit vollem ‚Bewusstsein‘) negieren, angreifen, ja zerstören wollen.

Wenn er also von Wurzeln der Welt spricht, dann ist damit die Phase der Gestirnsentwicklung gemeint, die nach Helmut Friedrich Krause erst im Abschwung eben dieser möglich wird (also im Wiederabsinken der Intensität des jeweiligen Radialfeldes), die Phase der (biologischen) Metempsychose, des beschleuigten Formendurchlaufes, der mit der Pflanzenwerdung des seelischen Bewusstseins ‚beginnt‘. Ganz sicher verdient dieser ‚Moment‘ von Gestirn- und Bewusstseinsentwicklung höchste Aufmerksamkeit, da er einen Qualitätssprung darstellt, eine grundlegende Änderung der (geistig-seelischen und erscheinungsweltlichen) Atmosphäre.

Als ein Pendant dazu könnte man die ‚Herabkunft des Weltseelischen‘ mit dem Beginn oder Einsetzen der Endzeit (als der Phase der Gestirnsentwicklung, die eine natürliche, längere Endphase der höheren Lebensformen darstellt) betrachten – diese müsste ‚analog‘ eine neue Atmosphäre mit sich bringen und damit auch neue Möglichkeiten für das Leben überhaupt.

Insofern sind wir Menschen also mit den Wurzeln einer ’neuen‘ Welt befasst, insofern wir uns im Dienst an den Zielen und Zwecken der Schöpfung nützlich machen.