Philosophische Fingerübung: Ankündigung

Mit „Fingerübungen“ meine ich Texte, die nicht den Anspruch erheben im vollwertigen Sinne originär  genannt zu werden; sie spielen entweder auf gerade Gelesenes an und sind eine Art aneignender Variation oder sie deklinieren Gedanken von anderen in eigener Sprache durch. Gleichwohl haben diese Texte ihren Wert zur Festigung und eigenständigen Durchdringung von Themen und Betrachtungsweisen.

 

Ankündigung

Vielleicht kann man es so sagen und  in  den Raum stellen :

Nichts geschieht völlig ohne Ankündigung, alles ist mit dem „Danach“ verbunden (und dem „Davor“) und bringt es auf irgendeine Weise auch zum Ausdruck, enthält es notwendig.

Wieviel „Tod“ steckt im „Leben“ (und umgekehrt) ?

Das trifft auf die Geschehnisse im Fluss des Lebens zu, wie man aus Erfahrung weiß, und das trifft sicherlich auf Phänomene als solche ebenfalls zu. Es mag sein, dass oft erst im „Nachhinein“ klarer wird, dass „alles schon da war“ oder, dass Signale existierten, die man übersehen hat oder nicht erkennen konnte, weil man sie als solche nicht registriert hat.

Für die von Helmut Friedrich Krause so bezeichneten Quellstufen der menschlichen Existenz wird das in der eine oder anderen Form auch zutreffen.

Also: In den Mineralien kündigen sich die Pflanzen an, in den Pflanzen die Tiere, in den Tieren der Mensch, im Menschen seine höhere Möglichkeit (Goethes Gedanke von der Erde als Pflanzschule der Geister). So verschiedenartig die Bewusstseine auch leben und weben mögen, sie stehen auch in den Ausformungen nicht völlig verbindungslos da, auf der (welt)seelischen Ebene ohnehin nicht.

Einen Hinweis auf die menschlichen Möglichkeiten z.B. findet jeder Mensch, der eng mit höheren Tieren zusammenlebt im Verhalten und Gebaren dieser.

Mit etwas Verve könnte man z.B. Wasser als „mineralische Pflanze“ oder „pflanzliches Mineral“ bezeichnen; man beachte hier Jochen Kirchhoffs Hinweis auf die „Eisblumen“-Bildung des Wassers und die z.B. an Farne erinnerenden Strukturen. Kristallbildungen bei Edelsteinen etwa nehmen Formbildungsmuster der Pflanzen (wenn auch in strengerer Geometrie) vorweg.

Im Bereich der Pflanzen kennen wir auch Beispiele, die die „Beweglicheit“ des Tieres ahnen lassen usw.

So könnten wir also bezogen auf das (längerfristige) Zeitgeschehen auch fragen: WAS kündigt sich in unserer Zeit an ?