Archiv für den Monat: Mai 2016

Ein Gedicht von Ricarda Huch

ICH werde nicht an deinem Herzen satt,
Nicht satt an deiner Küsse Glutergießen.
Ich will dich, wie der Christ den Heiland hat:
Er darf als Mahl den Leib des Herrn genießen.
So will ich dich, o meine Gottheit, haben,
In meinem Blut dein Fleisch und Blut begraben.
So will ich deinen süßen Leib empfangen,
Bis du in mir und ich in dir vergangen.

(erschienen 1907)

Das Bild der planetarischen Wende

Wenn ich bei einem Spaziergang mit meinem Hund die Luitpoldbrücke in Bad Reichenhall überquere, schaue ich auf das Schauspiel der Staustufen der Saalach.

Ich betrachte gern Bilder der Natur, der Kultur oder des sozialen Lebens auch als Sinnbilder von Themenfeldern, die mich gerade interessieren.

Wenn ich auf die Saalach schaue und die Staustufen, dann entwickelt sich in mir das Bild eines fast ahnungslosen Mainstreams (Hauptstroms), der vor sich hinfließt, als ginge es immer so weiter, wie er eben geflossen ist durch die Jahrhunderte und Jahrtausende auf der Erde.

Urplötzlich kippt der Fluss im Winkel über die erste Staustufe, ändert also auch die Fließrichtung, dann weiter wie beim Hölderlin die „Klippen hinab“, die Stufen, um dann „unten“ als wilder Fluss weiterzufließen auf anderem Niveau.

So stelle ich mir das Prinzip einer planetaren Wende vor:

  • Relativ gesehen geschieht es „urplötzlich“, von den meisten Menschen so nicht erwartet, wenngleich in der Tiefe natürlich ein ahnendes Wissen bei jedem vorhanden sein kann. Den meisten ist ja eigentlich auch klar, „dass es so nicht immer weiter gehen kann“.
  • Der Wandlungsprozess ist fundamental.
  • Er ist vergleichweise kurz (und heftig).
  • Danach geht es „auf anderem Niveau“ weiter.
  • Der Wandel ist unumkehrbar.

Immer wieder muss ich in diesem Zusammenhang daran denken, wie der Mauerfall im November 1989 scheinbar aus dem Nichts heraus möglich wurde – in Wirklichkeit aber von vielen Menschen seelisch vorbereitet war.

Natürlich ist dieses relativ friedliche Bild des Flusses und der Staustufen nur ein Hinweis, die gemeinte Realität sieht dann „ganz anders“ aus.

Kosmische Verantwortung des Menschen

Ein Fundamental-Vortrag von Jochen Kirchhoff, der eine Grundwahrheit – unsere Allverbundenheit und Mit-Verantwortung für das Wohl und Wehe des lebendigen Kosmos – in ihren wirklichen Rang erhebt: auf die persönliche Agenda jedes Menschen.

Interessanterweise liegt der Zeitpunkt des Vortrages vor dem Dezember 2012, der als einer von mehreren Zeitpunkten galt, an dem so etwas wie eine „Planetarische Wende“ eintritt oder eintreten könnte. Den damaligen Hype kann man mitdenken, wenn man sich auf den Vortrag einlässt, der mit großer Intensität und dem Themenkreis angemessener Schärfe gehalten wurde und viele Themen in vergleichsweise kurzer Zeit auf den Punkt/ihren Ausgangspunkt bringt.

Jochen Kirchhoff hat sich dem Hype nicht angedient und dennoch das Motiv eines planetaren Wandels betont, das vielen Menschen ja aus dem Herzen spricht und – das wird heute manchmal vergessen – auch in der Vergangenheit Menschen immer bewegt hat in Vorausahnung und auch tiefer Sehnsucht.